Offizielle Freundschaften und Kontakte ins In- und Ausland

Aufgrund eines besonderen Anlasses haben wir uns bereits 2006 mit unserer generellen Auffassung zu Kontakten zu anderen Gruppen beziehungsweise speziell zu Gruppen im Ausland beschäftigt. Damals hing zum ersten Mal die Fahne der Brigate Rossoblu Civitanova 1984 bei einem Heimspiel über unserer Zaunfahne. Ein solches Überhängen der Zaunfahne mit der Fahne einer befreundeten Gruppe ist das Symbol der Freundschaft dieser Gruppen nach Außen und Zeichen das Gäste der jeweiligen Gruppe vor Ort sind. Da es sich dabei aber um eine generelle Überlegung gehandelt und sich eben nicht auf einen bestimmten Fall beschränkt hat, möchten wir unsere Gedanken, bzw. die Meinung die wir uns damals diesbezüglich gebildet haben und bis heute vertreten aus einem aktuellen Anlassen nochmal zusammenfassen.

Die Frage, die wir uns selbst diesbezüglich gestellt haben, war diejenige nach Für und Wider einer Ungleichbehandlung von Kontakten der Gruppe innerhalb Deutschlands und Kontakten ins Ausland. Das Ergebnis unserer Überlegungen lässt sich folgendermaßen kurz zusammenfassen:

Während das Aufhängen der Fahne einer anderen Gruppe über der unseren für uns innerhalb Deutschlands immer(!) eine langjährige und enge Freundschaft, sozusagen eine „Verbrüderung“, dokumentiert, hinter der kontinuierliche gegenseitige Spielbesuche und ein reger, progressiver und vor allem intensiver Gedankenaustausch stehen sollten, sehen wir es bei einer ausländischen Gruppe, zu der wir als Gruppe freundschaftlichen Kontakt pflegen, bereits vorher zur Dokumentation des bestehenden Kontakts als angemessen an, als Versicherung gegenseitigen Respekts, ein Zeichen der Gastfreundschaft und eines „Sich-durch-den-Besuch-geehrt-fühlens“. Die Gründe dafür sind einfach, dass man aufgrund der Distanz und anderer Barrieren niemals den gleichen Anspruch an die Kontakte zu einer deutschen Gruppe und einer Gruppe aus dem Ausland stellen kann.
(In Italien ist dies nur am Rande erwähnt mehr oder minder der Unterschied zwischen „Gemellagio“[=Dicke Freundschaft] und „Amicizia“[=respektvoller freundschaftlicher Kontakt] zwischen den Gruppen.)

Da in Deutschland mehr oder weniger ständig die Möglichkeit besteht, den Kontakt zu leben und zu pflegen – sprich sich oft zu besuchen, ganz intensiv kennenzulernen und vor allem auch untereinander gedanklich tiefgründig und en detail auszutauschen – wäre es für uns irgendwie Etikettenschwindel oder auch Poserei groß mittels gegenseitigem Fahneüberhängen einen auf „dickste Freunde“ zu machen, wenn diesbezüglich die Möglichkeiten nicht über einen gewissen Zeitraum kontinuierlich und gefestigt genutzt werden.

An einen Kontakt ins Ausland kann und sollte man diese Ansprüche allerdings unmöglich stellen. Alleine die Koordination der verschiedenen Spielpläne der Länder (in Anbetracht der zurückzulegenden Distanz!) und die unterschiedlichen Einkommens- bzw. Berufsverhältnisse sind eben nicht 1:1 vergleichbar – zu einem Besuch gehört ja auch immer der dazugehörige Urlaub bzw. das nötige Kleingeld. Auch die Unterhaltung bzw. der gedankliche und inhaltliche Austausch gestaltet sich für die meisten von uns aufgrund der zu überwindenden Sprachbarrieren nun mal mit jemandem aus Bochum, St. Pauli oder Jena definitiv dezent einfacher und v.a. schneller. Ein Kontakt ins Ausland ist weder besser und wichtiger noch schlechter und weniger wichtig als einer in Deutschland – er ist einfach etwas anderes. Deshalb kann man unserer Ansicht nach auch nicht die gleichen Maßstäbe anlegen, da diese den unterschiedlichen Verhältnissen nicht gerecht werden würden. Deswegen sind bei den ein oder anderen Spielen entweder die Fahne der BRB Civitanova oder die Farben von Sambenettese Calcio über unserer Fahne zu sehen oder unsere Fahnen hängt bei Spielen der beiden italienischen Vereine aus der Region Marche. Im Übrigen sind diese Kontakte zu der sehr respektierten Szene von Samb und der Brigate Rossoblu Civitanova mit ihrer inzwischen 25-jährigen Ultras-Tradition eine große Ehre für unsere Gruppe.


Da unsere Gruppe - und somit auch einige ihrer Kontakte - nun aber schon einige Jahre auf dem Buckel haben, freut es uns außerordentlich bekannt machen zu dürfen, dass es uns gelungen ist, die oben formulierten Ansprüche an unsere innerdeutschen Kontakte mit Leben zu erfüllen und daher die langen, kontinuierlich und intensiv gelebten Kontakte zu den Gruppen Ultrà Sankt Pauli und Ultras Bochum seit Mai diesen Jahres zu offizielle Freundschaften unserer Gruppe geworden sind. Was lange währt, wird also endlich gut - und daher werdet ihr ab sofort sowohl unsere Fahne des Öfteren bei Spielen von Bochum oder St. Pauli sehen, als auch die Fahnen von Ultrà Sankt Pauli und Ultras Bochum bei uns erblicken.

Im Mai erreichte uns aus Hamburg die Anfrage, ob wir unsere Fahne mitbringen und über die Fahne von Ultrà Sankt Pauli hängen wollen. Diese Anfrage war für uns gleichermaßen eine Ehre, schließlich ist USP eine der angesehensten Gruppen Deutschlands, wie eine schwerwiegende Entscheidung. Ein solcher Akt bedeutet schließlich, dass zwischen beiden Gruppen eine offizielle Freundschaft besteht. Etwas, mit dem wir nie leichtfertig umgegangen sind und das für uns eine herausragende Rolle hat. Nicht umsonst haben wir immer gesagt, dass wir mit dieser Thematik sehr bewusst umgehen und unsere Kontakte sich erst vertiefen lassen und nicht sofort mit dem Begriff Freundschaft um uns schmeißen wollen. Freundschaft geht für uns über oberflächliche und kurzweilige Kontakte hinaus und baut auf gemeinsamen Erlebnissen und intensivem Austausch auf. Die Kontakte nach Hamburg zu USP sind inzwischen fast sechs Jahre alt, die zu den Ultras Bochum nur unwesentlich kürzer. Zu beiden Gruppen pflegen wir intensive Kontakte. Bei vielen Spielen haben wir unsere Freunde unterstützt, oft durften wir sie als Gäste in unserem Block begrüßen, zusammen haben wir einige Feste gefeiert, Turniere besucht und die ein oder andere Schlacht geschlagen. Auch wir wollten uns demnächst über den Status unserer langjährigen Kontakte unterhalten. Umso mehr hat es uns überrascht, dass jetzt USP den Schritt auf uns zugegangen ist. Nach Beratungen im Gruppenrat haben wir uns entschieden, dass wir dieses Angebot aus Hamburg überaus gerne annehmen, gleichzeitig aber auch auf die Ultras Bochum zugehen wollen, um auch mit ihnen die Freundschaft nach all den Jahren offiziell zu machen. Die Ultras Bochum haben erfreut auf diesen Vorschlag reagiert und unser Angebot ebenfalls gerne angenommen.

Unsere Freundschaften zu Sankt Pauli und Bochum beim Namen zu nennen ist der logische nächste Schritt unser bisherigen gemeinsamen Wege.


Wie alles begann…


Ultrà Sankt Pauli:


Das Sommertheater 2003, eigentlich ein negatives Ereignis – die FC Bayern AG streicht nach angeblicher Randale bei der Meisterfeier den aktiven Fans über 300 Dauerkarten für die folgende Saison – ist gewissermaßen der Auslöser unserer Kontakte nach Hamburg gewesen. Wir standen damals mit dem Rücken an der Wand und befanden uns in einem dramatischen Existenzkampf. Im Rund um diese Ereignisse und die folgende mediale Schlammschlacht solidarisieren sich einige Szenen mit uns; unter anderem eben USP und andere Sankt Pauli-Fans, die bei einem Benefizspiel des FC Bayern am 12. Juli 2003 bei ihrem FC Sankt Pauli auf allen Tribünen mehrere Spruchbänder für uns zeigten! Etwas, das wir NIE vergessen haben! Zur damaligen Zeit in Deutschland mit Sicherheit keine alltägliche Sache, sondern schon damals die Demonstration einer wahrhaften 'Mentalità Ultrà'! Gerührt, tief beeindruckt und überrascht von soviel Solidarität, Engagement und Differenzierungsvermögen - erwartete man doch instinktiv noch immer in der klischeebehafteten Schublade vom reichen "Klassenfeind"aus dem Süden zu landen - kam man nach dem Spiel ins Gespräch und verbrachte einen netten Abend zusammen im Viertel. Es folgten diverse gegenseitige Spielbesuche, zweimal spielte man sogar im DFB-Pokal gegeneinander – die Diffidati verfolgten das Spiel gemeinsam im Fanladen – und Ultrà Sankt Pauli ist gern gesehener Gast der ersten Stunde auf unserem Kurt-Landauer-Turnier, genauso wie wir bereits mehrmals am Antira in Hamburg teilgenommen haben. Es sind nicht wenige aus beiden Gruppen, die inzwischen fast täglich miteinander in Kontakt stehen, diverse Freundschaften haben sich entwickelt, der Austausch untereinander ist gerade auch für die Entwicklung unserer Gruppe sehr wichtig und gemeinsam haben wir mit anderen das antifaschistische Ultras-Netzwerk Alerta! gegründet. Einige Freunde aus Hamburg haben uns auf unseren Europacup-Touren begleitet und gerade in letzter Zeit fand kaum ein Sankt Pauli- oder Bayern-Spiel statt, bei dem nicht jeweils Besuch der anderen Gruppe präsent war.

Ultras Bochum:


Seit Jahrzehnten besteht schon eine traditionelle Fanfreundschaft zwischen den Fans des VfL Bochum und des FC Bayern München. Dies hat sich auch auf uns Ultras übertragen, bzw. sind wir es sogar, die diese zwischenzeitlich eingeschlafene Freundschaft wieder haben aufleben lassen. Bei unserem Bundesligaspiel im Ruhrstadion im März 2003 reisten wir frühzeitig an, um die Zeit vor dem Spiel gemeinsam mit den Bochumern zu verbringen, da einige einzelne Kontakte bereits bestanden. Beim darauf folgenden Spiel im Olympiastadion feierten wir nach dem Spiel gemeinsam mit den Freuden aus Bochum im Olympiapark. Es folgten viele gegenseitige Spielbesuche und Partys. Auch die Freunde aus Bochum haben stetig am Kurt-Landauer-Turnier teilgenommen. Als sie vor einem Spiel zwischen unseren Mannschaften eine Demo für den Erhalt des Namen „Ruhrstadion“ veranstalteten, unterstützten wir diese mit vielen Mitgliedern und einigen Transparenten. Bei vielen wichtigen und brisanten Spielen konnten wir uns immer auf unsere Freunde verlassen. Auch nach Bochum besteht täglicher Kontakt von vielen Mitgliedern. Nicht nur die Party beim letzten Spiel in Bochum, die bis in die frühen Morgenstunden ging, wird unvergessen bleiben.


In Zukunft werden diese Wege nun noch enger beieinander liegen. Eine Freundschaft bringt natürlich auch immer Verantwortung mit sich. Noch mehr als bisher heißt es jetzt die Freunde so oft es geht besonders bei wichtigen Spielen möglichst zahlreich zu unterstützen und den Austausch und die Freundschaft auch auf persönlicher Ebene weiter zu intensivieren.

Freundschaft ist ein unschätzbares Gut! Füllt diese Freundschaften weiterhin mit Leben! Mentalità ULTRAS !

Schickeria München


02.09.2009 <- Zurück zu: News Single